Mein Publikum mitnehmen und fesseln

By Kai-Jürgen Lietz • In Einfluss, Storytelling, ÜberzeugenNo Comments

KJL mit Publikum Hände in der Luft

Warum soll ich dem Menschen da vorne auf der Bühne meine Zeit schenken? Was kann er mir in der nächsten Stunde erzählen, was ich nicht in einem guten Buch auf meiner Couch nachlesen könnte?

Unser Publikum ist verwöhnt. Der Wunsch nach Wissen lässt heute niemanden mehr den Monolog eines Fachidioten erdulden. Denn wir können es uns an jeder Internet-Ecke selbst anlesen.

Wenn wir uns Zeit für einen Vortrag nehmen, dann muss uns die Präsentation unter die Haut gehen. Wissen reicht uns nicht, wir suchen Erkenntnis.

Gute Gespräche sind gut, weil wir auf den anderen eingehen. Wenn unser Gegenüber das Bedürfnis hat, sprechen wir vielleicht einmal nicht über das Geschäft, sondern über seine gesundheitlichen Probleme, die Schulsorgen seiner Kinder und das richtige Geschenk für eine Silberhochzeit. Er soll sich dabei so wohl fühlen, dass er sich schon auf das nächste Mal mit uns freut.

Als Redner wollen wir auch, dass unsere Zuschauer uns am liebsten gleich wieder sehen möchten. Dann haben wir alles richtig gemacht. Allerdings können wir nicht wie in einer guten Unterhaltung auf jeden individuell eingehen. Das erwartet auch niemand. Stattdessen müssen wir den richtigen Ton treffen.

Unser Publikum hat eine Geschichte. Mit unserer Rede können wir diese Geschichte entweder weiterführen oder umschreiben. Dann hören uns die Menschen gebannt zu. Denn dann ist es ihre Geschichte und kein anonymer Vortrag fürs Volk.

Wie soll das gehen? Schließlich reden wir in einem Raum mit 200 oder mehr Menschen und jeder Einzelne hat seine eigene Geschichte. Das Zauberwort heißt Verbindung. Was verbindet alle in diesem Raum?

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Das große Finale

By Kai-Jürgen Lietz • In Publikum, Reden, ÜberzeugenNo Comments

Symmetischer RednerAm Ende unserer Rede entscheidet sich, ob wir unseren Zuhörern im Gedächtnis bleiben oder nicht. Es entscheidet sich, wie sehr sich unser persönlicher Einsatz gelohnt hat.

Stell Dir vor, der Referent brennt über eine ganze Stunde lang ein Feuerwerk an interessanten Erkenntnissen, Aha-Momenten und purer Motivation ab und endet dann mit »Das war es! Wenn Sie fragen haben, stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung!«

Was für ein Tiefpunkt! So darf keine Rede enden.

Das wäre in etwa so, wie wenn die Alliierten am D-Day unter größten Verlusten in der Normandie gelandet wären, um Tags darauf wieder nach England zurückzufahren.

Ein Finale Interruptus lässt den Zuschauer enttäuscht zurück. Als würde ein Film kurz vor dem Happy End einfach abreißen. Wenn wir eine Stunde lang begeistert zugehört haben, erwarten wir zum Abschluss einen weiteren Höhepunkt.

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Der gute Anfang

By Kai-Jürgen Lietz • In Publikum, Reden1 Comments

StartknopfRednern geht es nicht besser als Autoren oder Bloggern. Der Anfang einer Rede ist genauso wichtig, wie der Anfang einer Geschichte oder eines Artikels. Unser Anfang bestimmt, wie viele unserer Zuhörer oder Leser wir mitnehmen. Der Anfang ist der tapfere kleine Kaltakquisiteur, der unseren Inhalten die Tür öffnet.

Es ist noch gar nicht lange her, da war das Publikum dem Redner ausgeliefert. Wenn ein Redner gleich von Anfang langweilig war, dann konnten wir seine Absonderungen allenfalls ertragen. Doch im Zeitalter von Smartphones können wir etwas dagegen tun, uns von einem leidenden Langeweiler auf der Bühne Lebenszeit stehlen zu lassen.

»Wenn Dein Publikum konzentriert nach unten starrt, hast Du verloren«, brachte es ein guter Kollege einmal auf den Punkt.

Daher ist der Anfang der Rede so wichtig. Wen wir dabei verlieren, holen wir nur ganz selten wieder zurück.

Der »Primacy Effect«

Gleichzeitig unterschätzen viele den sogenannten “Primacy Effect”. Unsere ersten Worte bleiben dem Publikum mit am längsten im Gedächtnis haften. Das ist wohl auch der Grund, warum so viele Redner sich an dieser Stelle für die Ehre bedanken, gerade vor diesem Publikum reden zu dürfen. Gleichzeitig ödet sich gerade dieses Publikum in die Sofortnarkose.

Besonders beliebt ist auch die umfangreiche Darstellung der eigenen Person und der Verdienste des Redners. Ungeachtet dessen, dass der Moderator das zuvor schon mit viel Mühe gemacht hat. Es könnte ja sein, dass den Zuhörern etwas Wichtiges entgangen ist.

Versetzen wir uns in unser Publikum. Interessiert uns das wirklich? Wir kennen die Person auf der Bühne nicht. Da fühlt es sich auch nicht so wohlig an, wenn sie versucht in unseren Hintern zu kriechen. Mitleid wollen wir schon gar nicht haben, während sie ihren Minderwertigkeitskomplex bewältigt.

Wenn ich im Publikum sitze, möchte ich interessiert werden. Ich möchte Begeisterung erleben, ich möchte auch einmal lachen und ich möchte, dass die Zeit wie im Flug vergeht, während ich viele spannende neue Erkenntnisse und Ideen für mich mitnehme.

Der Anfang einer Rede muss genau das versprechen. Dafür gibt es eine ganze Anzahl von Mitteln.

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Der Redner ist halb leer

By Kai-Jürgen Lietz • In Erfahrung2 Comments

Redner KJLJeder kennt das. Du sitzt mit einem interessanten Menschen stundenlang im gleichen Zug. Du hörst zu und Du erzählst einiges. Am Ende bist Du müde und brauchst eigentlich etwas Zeit für Dich. Da ist es nicht ideal, wenn Du vor 200 Leuten auftreten willst.

In den vergangenen Wochen war ich bei drei Veranstaltungen Moderator für die Sternstunde für Mitarbeiter, die firmeninterne Varianten der Sternstunde für Unternehmer.

Hamburg

Erster Auftritt in Hamburg. Auf dem Weg dorthin saß ich mit meinen Referenten im Zug und habe mich gut unterhalten. In Hamburg angekommen, hatte ich praktisch kein Mitteilungsbedürfnis mehr. Ich war kommunikativ ausgewrungen. Normalerweise genieße ich die kreativen Einfälle während der Moderation. Ich improvisiere gerne! Diesmal fiel mir beim besten Willen nichts ein. Ich erzählte bis auf wenige Ausnahmen das, was ich vorbereitet hatte.

Weil er es von mir noch nicht besser kannte, war der Kunde sehr zufrieden. Aber ich war es nicht.

Stuttgart

Am nächsten Tag hatten wir die gleiche Veranstaltung in Stuttgart. Die Fahrzeit ist viel kürzer und daher gab es auch weniger Gespräche. Meine Moderation war um einiges freier, Die Muse setzte zu ein paar kurzen aber wirkungsvollen Ausflügen an, um mir ihren Kuss aufzudrücken.

Kommentar des Kunden: Die Veranstaltung war noch besser als in Hamburg. Ich war immer noch nicht zufrieden.

Frankfurt

Einige Tage später traten wir in Frankfurt auf. Keine Zugfahrt, keine Gespräche. Mein Mitteilungsbedürfnis war kaum zu beherrschen und ganz nebenbei sicherte ich mir ein Handmikro, das für Moderation besser geeignet ist als die üblichen Krawattenmikrofone. Mit dem Mikro in der Hand lässt sich besser »spielen«. Tipp: Unbedingt ausprobieren! Spaßgarantie!

Ich war wie ausgewechselt! Ich flirtete mit dem Publikum, ich flüsterte ihm Geheimnisse zu und ich erzählte Geschichten, die mir aus dem Nichts zuflogen.

Meine Referenten waren zeitgleich auch besser. Daher war unser Kunde richtig begeistert und zur Abwechslung war ich mit mir selbst sehr zufrieden.

Das ist besser

Ja, es ist unhöflich. Aber meine Zeit und Aufmerksamkeit gehören dem Publikum, das auf mich wartet. Daher werde ich mir zukünftig bei der Hinfahrt einen Kopfhörer aufziehen und die spannenden Gespräche nach getaner Arbeit auf der Rückreise führen.

Vortragstitel – die Verpackung verkauft den Inhalt

By Kai-Jürgen Lietz • In Marketing2 Comments

AIDA swWer sich mit mir über den Titel seines Vortrags unterhält, hat einen schweren Stand. Denn als Initiator der Sternstunde für Unternehmer bin ich oft erster Ansprechpartner für Redner, die bei uns mitmachen wollen.

Die Sternstunde für Unternehmer war nie als eine Veranstaltung geplant, die mit großen Namen, wie einem Hermann Scherer oder einem Martin Limbeck Zuschauer anzieht. Bei uns ist das Format der Star.

Gerade deshalb müssen wir unser Publikum auf die richtige Weise ansprechen.. Dabei spielen die Titel der Vorträge eine große Rolle. Im Laufe der Jahre habe ich eine gewisse Expertise entwickelt, welche Titel gut sind und welche das Publikum langweilen.

Über den Inhalt ist damit noch nichts gesagt. Doch mit unseren Titeln betreiben wir natürlich auch Erwartungsmanagement.

Das Spiel mit der  Schublade

Wenn der Moderator einen langweilig klingenden Titel ankündigt, wie “Das Moralverhalten von Geschäftsführern in schwierigen Führungssituationen” erwartet das Publikum nicht viel. Kündigt der Moderator dagegen den Vortrag “Der Chef im Porzellanladen” an, dann geht ein Ruck durchs Publikum.

Denn  hier geht es auch um Fantasie. Nichts ist schlimmer, als wenn Deine Zuschauer schon vor dem Vortrag bereits die passende Schublade geöffnet haben. Jede Schublade bedeutet: “schon gehört und meistens nicht umgesetzt.”

Wollen wir interessierte und aufmerksame Zuschauer, müssen wir das Interesse vorher wecken. Denn niemand wird unseren Vortrag tatsächlich zu 100 Prozent folgen. Stattdessen lösen unsere Worte Assoziationen beim Zuhörer aus. Er hört daher vermutlich nur 20-30 Prozent unseres Inhalts bewusst. Der Rest wird aus der Erinnerung und Erfahrung des einzelnen Zuschauers ergänzt.

Ist schon zu Beginn die falsche Schublade offen ist, reißt es der beste Vortrag nicht mehr heraus.

Neben der reinen Intuition, dass ein Titel “es bringt” oder “Gedanken-Narkolepsie” auslöst , können wir unsere Titel auch methodisch analysieren.

AIDA in Aktion

Im Marketing gilt das AIDA-Prinzip. In diesem Fall ist das weder ein Kreuzfahrtschiff noch eine Oper von Verdi.

AIDA steht im Marketing für Attention, Interest, Desire, Action. Wir wollen also die Aufmerksamkeit unserer Zielgruppe, Ihr Interesse wecken, ein Verlangen in ihr auslösen und sie zum Handeln bringen.

Nehmen wir einen der erfolgreichsten Vortragstitel der letzten Jahre von Hermann Scherer als gutes Beispiel: » Jenseits vom Mittelmaß «

Warum sollte dieser Vortrag Aufmerksamkeit auslösen? Der Titel ist kurz. Er enthält eine Provokation. Denn wer will schon mittelmäßig sein? Gleichzeitig wissen wir alle, dass wir ungern auffallen. Der Titel legt also einen inneren Konflikt offen, der in der Mehrzahl von uns tobt. Wir wollen nicht mittelmäßig sein, aber wir wollen auch dazu gehören. Damit hat der Titel die erste Hürde geschafft. Wir sind aufmerksam.

Interesse schafft er schon allein durch das subtile Versprechen, uns jenseits des Mittelmaßes zu bringen. Viele andere würden einfach Spitzenerfolg, Glück und Reichtum versprechen. All das würden wir nicht glauben, denn zu oft schon sind wir enttäuscht worden. Dieser Titel lässt unseren Kopf die Arbeit leisten. “Jenseits vom Mittelmaß” könnte auch schlechter als das Mittelmaß sein. Weil wir das aber nicht hören wollen, entwickelt unsere Fantasie ein eigenes Bild davon, was jenseits vom Mittelmaß sein könnte.

Unsere Fantasie schafft damit Sehnsucht. Wenn die Veranstaltung im nächsten Monat ist, gehen wir hin. Das bedeutet Action!

Für viele andere Referenten ist der Titel eines Vortrags eher ein Nachgedanke, als die Hauptidee, um das Publikum für sich einzunehmen.

Ich weiß nicht, wie es Dir geht. Aber wenn ich ein Programm vor mir habe, dann zieht ein interessanter Titel meist eher als ein bekannter Name. Denn ich habe letzteren wahrscheinlich schon gehört oder werde ich ihn wieder hören können. Ein spannender Titel signalisiert mir außerdem, dass der Redner weiß, wie er sein Publikum neugierig macht.

Ein Aufruf

Niemand möchte gerne vorgeführt werden. Doch wer etwas lernen will, braucht Beispiele. Daher werde ich hier im Keynote-Blog noch viele Vortragstitel mit dem AIDA-Check analysieren. Wer möchte, kann mir seine Titel schicken. Ansonsten gibt es genügend Kongressprogramme, die sowohl gute als aus grausliche Beispiele gängiger Vortragstitel enthalten.

Doch dazu demnächst mehr.

Geschichten sind nie langweilig

By kjlietz • In StorytellingNo Comments

Redner beim Geschichten ErzählenStell Dir vor, Das Publikum hängt an Deinen Lippen. Die Menschen haben sich leicht vorgebeugt, wollen kein Wort verpassen. In Deinen Sprechpausen könnte man eine Nadel fallen hören.

So ist das, wenn wir eine gute Geschichte erzählen. Das ist der Moment, den wir zusammen mit unserem Publikum erleben wollen. Leider gelingt es nicht immer.

Der Schauspieler und Impro-Künstler Frederik Malsy empfiehlt: »Wenn Du privat keine Geschichten erzählst, dann mache es auch nicht als Redner!«

Diesen Rat zu beherzigen könnte schwer fallen. Schließlich gilt Storytelling als der heilige Gral unter den Redner-Werkzeugen. Bilder und Geschichten haben die Menschheit in ihren Bann gezogen, solange es Sprache gibt. Unser Gehirn ist darauf optimiert.

Zum Glück muss ich mir diesen Schuh nicht anziehen. Ich erzähle gerne Geschichten. Allerdings mache ich es nicht immer gut. Wir haben immer die Wahl. Entweder wir erzählen die Geschichte akkurat oder spannend. Für eine Zeugenaussage ist akkurat besser, in einer Rede ist spannend besser.

Der Tipp vom Profi

Vor kurzem hatte ich das Glück, mich mit der Geschichtenerzählerin Xenia Busam auszutauschen. Ihr Rat an mich: Erzähle Deine Geschichte nicht chronologisch, sondern inszeniere sie, um Höhepunkte zu schaffen. Ein echter Augenöffner!

Zum Beispiel arbeite ich in einem meiner Vorträge mit der Filmgeschichte “Kopfgeld – einer wird bezahlen” . Der Erpresser (Gary Sinise) möchte sein Opfer, den Unternehmer Tom Mullen (Mel Gibson) glauben machen, dass er keine Wahl hat und das Lösegeld für seinen Sohn zahlen muss. An der chronologisch richtigen Stelle sage ich dann zum Publikum: »Das ist die Schlüsselfrage des Films. Hat Tom Mullen tatsächlich keine andere Wahl?«

Xenia empfiehlt, die Frage an den Anfang der Geschichte zu stellen. »Stellen wir uns vor, jemand erzählt uns, wir hätten keine andere Wahl, als seinen Anweisungen zu folgen. Was würden wir ihm sagen?«

Der Mord steht am Anfang

In jedem gut erzählten Krimi findet der Mord bereits am Anfang statt. Danach beschäftigt der Autor seine Leser mit den Fragen, wer es warum getan hat und ob der Täter erwischt wird oder nicht. Das erzeugt so viel Spannung, dass wir als Leser das Buch kaum aus der Hand legen.

Wenn wir die Kernfrage unserer Geschichte an den Anfang stellen, dann machen wir etwas Ähnliches. Zum einen überlegt sich der Zuhörer, wie er die Frage beantworten würde. Zum anderen möchte er wissen, was die Frage soll. Das erzeugt Interesse und Spannung.

Wie weit das trägt, hängt davon ab, was wir weglassen. Geschichten sollen unterhalten, Genauigkeit ist meist das Gegenteil davon. Manche Fakten gefallen dem Erzähler, weil sie für ihn interessant sind. Der Zuhörer möchte dagegen seine Neugierde gestillt haben. Jeder Firlefanz, der seine Fragen nicht beantwortet, schafft dagegen Spannungstiefen. In einem Film würde ich dann meine Frau bitten: Weck mich, wenn es wieder spannend wird.

In der Hand des Redners

Allerdings hat der Geschichtenerzähler es selbst in der Hand, wofür sich seine Zuhörer interessieren. Als Redner möchten wir Inhalte transportieren. Wir möchten überzeugen und vielleicht unserem Publikum etwas Neues beibringen. Eine unterhaltsame Geschichte mag da nicht ausreichen.

Wir alle wissen ja, was passiert, wenn wir Balken, Torten und anderes Zahlenwerk auflegen. Das Publikum schaltet auf Passivmodus um. Wir als Redner sollen es über dieses Schlagloch hinwegführen, ohne ihm zu viel Denkarbeit abzufordern.

»Das ist doch das Letzte!« Mit diesem Feedback hat ein bedauernswerter Kollege vor einigen Monaten fast sein Publikum verloren. Er hatte den Fehler gemacht, ein Balkendiagramm aufzulegen und angemerkt, die Zahlen sprächen eine deutliche Sprache. Zwei Slides weiter hatte das Publikum ihn im Schwitzkasten. Was er da erzähle, ergebe doch gar keinen Sinn. Den hätte es schon ergeben, wenn das Publikum die Zahlen verarbeitet hätte, die für sich selbst hätten sprechen sollen.

Redner heißen deshalb so, weil sie reden. Wenn wir das Zahlen oder Bildern überlassen, geben wir ihre Deutung aus der Hand und damit die Kontrolle. :-o

Nutze Deinen Erkenntnisvorsprung

Nein! Wenn das Publikum mitdenken soll, dann braucht es dafür eine Motivation. Wir können es neugierig machen. Zum Beispiel: »Tom Mullen war mit dem Lösegeld schon unterwegs. Nur noch wenige Minuten trennten ihn vom möglichweisen größten Fehler seines Lebens.«  Der Erzähler ist allwissend. Er kann dieses Wissen durchblitzen lassen und seinen Zuhörer neugierig machen. Warum soll die Lösegeldzahlung ein so großer Fehler sein?

Entscheidungsbäume sind bei Vorträgen eigentlich tabu. Das Publikum ist nicht darauf trainiert, mit einem Blick zu erkennen, was so ein Baum aussagen soll. Aber an dem Punkt will der Zuhörer mitdenken, er will es wissen. Indem ich das Ergebnis »größter Fehler seines Lebens« vorweg nehme, durchbreche ich wieder die Chronologie der Geschichte und schaffe einen Spannungspunkt, der in der eigentlichen Geschichte sonst gar nicht vorhanden wäre.

Im normalen Ablauf des Geschehens hat der Unternehmer Tom Mullen zu dem Zeitpunkt keinen Schimmer, welche Dimension sein Fehler hat. Denn alle Außenstehenden halten es für richtig, das Lösegeld zu bezahlen. Aber als Erzähler baue ich eine verlockende Falle auf. Ich ermögliche dem Zuschauer einen Blick hinter die Kulissen, einen Wissensvorsprung. Wer ließe sich da nicht in Versuchung bringen?

Es funktioniert. Nach meinem Vortrag sehe ich oft Teilnehmer, die mit der Tischdekoration Entscheidungsbäume aufbauen, um über diesen Punkt zu diskutieren. Mehr kann man als Redner nun wirklich nicht verlangen, oder? :-)

Chronologie einmal ganz anders

Der zeitliche Ablauf des Geschehens ist eine Möglichkeit, unsere Geschichte zu organisieren. Aber wer hat gesagt, dass sie immer vom Anfang zum Ende erzählt werden muss?

Ein Tipp: Versuchen wir doch beim nächsten Mal unsere Geschichte vom Ende zum Anfang zu erzählen, Gerade bei Entscheidungen funktioniert das sogar ganz gut. Zum Beispiel: »Rainer ist frisch geschieden, Er reichte seiner Ex die Hand und wusste, dass er die größte Liebe seines Lebens verloren hatte. Hätte er nur gewusst, wie es endet, dann hätte er alles ganz anders gemacht … «

Viel Spaß beim Geschichtenerzählen!

Rede auf Messers Schneide

By kjlietz • In Erfahrung, Macht, Publikum, Reden, Stimmtraining, Training, Überzeugen, Übung1 Comments

PublikumStell Dir vor: Du stehst vor Deinem Publikum. Du legst Dein ganzes Herzblut in Deinen Vortrag. Im Vorfeld hast Du eine zum Sterben schöne PowerPoint-Präsentation vorbereitet. Du ziehst alle Register! Doch Deine Zuhörer umarmen sich lieber selbst als Deine Worte: verschränkte Arme, gerunzelte Stirn, kein Lächeln, keine Reaktion. Mit anderen Worten: Du stehst vor einem gigantischen schwarzen Loch, das Deine Energie schneller schluckt als ein Porsche Cayenne das SuperPlus an der Tanksäule. Auf Deiner Stirn bilden sich Schweißtropfen, Du wirst heiser.

Was tust Du?

Erfahrung macht klug

Wer oft vor Publikum steht, hat diese Erfahrung bestimmt schon gemacht. Es lässt sich nicht verhindern. Lernen ist Trumpf und je häufiger wir Zuschauer haben, desto seltener passiert es – hoffentlich. Dabei ist es völlig egal, ob danach die Leute zu Dir kommen und Dich beglückwünschen, weil der Vortrag “gut” war.

Wenn wir als Redner Erfolg haben wollen, ist “gut” kein Maßstab.

Die Sicht der Zuschauer

Denn sehen wir es einmal von der anderen Seite, aus der Sicht der Zuschauer: Du sitzt also in einem Vortragssaal auf der für Dich wichtigsten Messe des Jahres. Dein Unternehmen hat wieder eine unvernünftige hohe Summe in dieses alljährliche Abenteuer investiert und Du sitzt in diesem Vortrag. Jede Minute kostet ein Vermögen. Aber der Titel klang interessant und den Referenten wolltest Du ohnehin schon immer einmal hören.

Diese 45 Minuten sind also richtig teuer. Wirst Du dann mit einer artig guten Rede zufrieden sein? Oder erwartest Du, dass der Redner Dich aus dem Sitz haut und Du es nicht erwarten kannst, diese großartigen Impulse gleich umzusetzen?

Wenn wir uns das vor Augen führen und in einen Raum mit 250 erwartungsvollen Zuhörern blicken, dann ist “gut” einfach nur schlecht.

Das wechselhafte Pendel der guten und schlechten Tage

Allerdings sind wir alle nur Menschen und jeder von uns erwischt gute und schlechte Tage. An den guten Tagen könnten wir nahezu unvorbereitet auf die Bühne treten und es regnet Manna vom Himmel. Doch weil wir auch schlechte Tage haben, machen wir das nicht.

Die mentale Einstellung

Es gibt so Vieles, was ein Redner vor seinem Auftritt alles tun kann, damit er auf der Bühne auf dem Punkt ist. Das fängt bei der richtigen Einstellung an. Manch einer fühlt sich in den Minuten davor wie ehedem bei einer Prüfung. Treten wir so vor unsere Zuschauer wird uns das Publikum mit absoluter Sicherheit auf die Probe stellen.

Wenn wir eine Rede halten, dann ist das hoffentlich kein Selbstzweck. Ich habe mich vor vielen Jahren auf das Thema “Entscheiden” spezialisiert. Bei dem Thema kann jeder mitreden. Doch wozu gibt es Experten? Wenn es mir gelingt, deren Pseudosicherheit zu erschüttern und durch Klarheit und echtes Wissen zu ersetzen, dann verändere ich damit das Leben meiner Zuschauer.

Diese Chance vermittelt ein unglaubliches Gefühl. Ich kann es meistens kaum erwarten vor mein Publikum zu treten. Es ist Teil meiner großen Mission.

Zwischen Einem Redner,. der sich vom Publikum prüfen zu lässt und einem Redner, der seinem Publikum eine Botschaft zu vermittelt liegen Welten. Wen würden wir wohl lieber sehen?

Worte sind nicht genug

Ein Redner ist ein Musiker. Sein Instrument ist seine Stimme. Aus der Kommunikationsforschung wissen wir, dass Worte nur 7 Prozent unserer Kommunikation ausmachen. Unsere Stimme bestimmt 38 Prozent und 55 Prozent unsere Körpersprache.

Was machen wir für diese 38 Prozent der Kommunikation, an denen so viel hängt? Ein Musiker stimmt vor seinem Auftritt sein Instrument. Hochbezahlte Opernsänger singen ihre Stimme warm.

Was macht ein Redner?

Es gibt eine ganze Reihe von Stimmübungen, die wir vor einem Auftritt machen können, um das beste aus unserem “Instrument” herauszuholen. Zudem besteht die Zunge, der Kiefer und das Zwerchfell aus Muskeln. Muskeln, die wir trainieren, wenn wir einmal keinen Auftritt haben.

Mit dem Reden ist es wie mit Sport. Wir können auch einmal beim Fußball mitkicken. Das macht Spaß. Aber gegen trainierte Sportler haben wir dann keine Chance. Ein Sportler, der nur am Wettkampftag trainiert, wird auch niemals eine Medaille gewinnen.

Ob wir als Redner an einem schlechten Tag nur “gut” sind, haben wir also selbst in der Hand.

Zurück ins schwarze Loch

Stell Dir also vor, Du blickst in das schwarze Loch im Publikum. Du legst alle Energie rein, um Deine Zuschauer für Dich zu gewinnen. Doch das ist völlig falsch. Denn es gibt in jedem Publikum skeptische Zuhörer. Je mehr wir uns reinhängen, desto skeptischer schauen sie. Das ist ein Spiel, dass wir nicht gewinnen können.

Genauso gibt es in jedem Publikum Zuschauer, die von vorne herein auf unserer Seite sind. Wir müssen sie nicht gewinnen. Sie schenken uns schon bei der ersten Gelegenheit ein Lächeln und an der richtigen Stelle ein Lachen.

Für diese Menschen stehst Du auf der Bühne. Lass die Miesepeter kritisch schauen. Konzentrier Dich auf DEIN Publikum. Dann passiert nämlich etwas ganz Besonderes. Je mehr Menschen lächeln, mitmachen, die Hand heben und mitlachen, desto weniger Miesepeter sitzen im Zuschauerraum. Die Kritiker lösen sich in Luft auf.

Während das passiert, merkst Du, wie Deine Rede ständig besser und präsenter wird, weil. Dein Publikum versorgt Dich mit Energie im Überfluss, auf Deinem Rücken hast Du selbst Gänsehaut. Am Ende sitzt kein einziger Miesepeter mehr im Publikum.

Denn Du als Redner hast die Macht Dein Publikum für Dich zu gewinnen, indem Du Mehrheiten schaffst. Der Rest ist Soziologie. Keiner widersteht der großen Gruppe.

Dein Publikum zählt

Von Natur aus tendiere ich dazu, Miesepeter als Herausforderung zu begreifen. Wenn ich zum Beispiel im Supermarkt zahlen möchte, suche ich mir oft die miesepetrigste Kassiererin aus und versuche sie zum Lächeln zu bringen. Das ist nicht schwierig, weil ich ihr nur ein wenig Beachtung schenken muss.

Doch als Redner gilt für mich: Konzentrier Dich auf DEIN Publikum. Wer nicht dazu gehören will, folgt später automatisch.